Teil 3 Terrassengarten-Inventur: Fruchtpflanzen

Würde ich über meine diesjährigen Fruchtpflanzen schreiben, wäre ich schnell fertig, denn zum ersten Mal seit zehn Jahren habe ich nur ein paar „Nasch“-Erdbeeren, vier spontan gepflanzte Kartoffeln (sie waren gekeimt) und die Heidelbeere, die dieses Jahr exakt drei (!) Beeren trägt.

Wie das? Nun, ich hatte in den ersten zwei/zweieinhalb Monaten des Jahres so viel mit meinem Business zu tun, dass ich den optimalen Zeitpunkt zum Anziehen von Chilipflanzen und Paprika schlicht versäumt habe. Für Tomaten hätte ich noch Zeit gehabt, als ich wieder etwas Luft hatte, aber meine Samen waren wohl zu alt und/oder nicht optimal gelagert und versagten kläglich beim Keimtest Mitte März.

Tomaten selbser ziehen, Tomatensämlinge
Tomaten und Basilikum, Anzucht auf der Fensterbank

Und dann kam Corona und machte mir endgültig einen Strich durch die Rechnung. – Ich komme nur sehr schlecht mit der Maskenpflicht klar. – Es kostet mich schon enorm viel Überwindung, meinen Wocheneinkauf damit zu erledigen und hatte/habe einfach keine Lust und Motivation, das Ding noch länger zu tragen, um damit in den Gartenbaumarkt zu fahren. Zumal, das eine Mal, das ich dennoch dort war, war das Angebot an Frucht-Pflanzen sehr bescheiden, die Qualität so lala …

Andererseits, vielleicht hätte ich auch ohne Corona dieses Jahr nichts gesät/gepflanzt. Vieles wächst nicht mehr wirklich gut – die Krux mit dem Topfgärtnern –  irgendwann hilft auch der beste Dünger nicht mehr. Die Erde ist ausgelaugt, die Wurzeln haben keinen Platz mehr. Und Umtopfen – vor allem von größeren Pflanzen – eine mühsame Angelegenheit, die ich noch nie wirklich gerne gemacht habe. Im Garten ist das etwas Anderes, das Pflanzen, Anlegen von Beeten, Gestalten … Hach ja … ein Garten, das wäre schön. 80 oder 100 qm würden mir schon reichen … Nun denn. Ist nicht und wird wohl auch in absehbarer Zeit nichts damit.

Fruchtpflanzen: Was im Topf wächst …

Bisher im Topf kultiviert habe ich an ausdauernden Pflanzen: Erdbeeren (je ein kleiner und großer Balkonkasten), Kulturheidelbeere, Johannisbeere und Cranberries (die bereits im zweiten Jahr eingegangen sind).

Einjährige: ca. 10 Tomatensorten (Wildtomaten, Cocktailtomaten, Fleischtomaten, Salattomaten), ca. 8-10 Chilisorten (von Habanero über Türkische Pepperoni bis Cayenne), Spitz-, Tomaten- und Blockpaprika, vier Sorten Auberginen, Zucchini, Stangen- und Buschbohnen, Süßkartoffeln, Spinat, Feldsalat, Ur-Karotten, Kartoffeln, Physalis, Kohlrabi, Fenchel, Lauchzwiebeln, Lauch, Erbsen, Mangold, Snackgurken und sogar Zuckermais, der immerhin zwei Kolben hervorbrachte (als Starkzehrer hätte er sicher einen noch viel größeren Topf gebraucht).

 

Mit zwei Erdbeerpflanzen habe ich vor drei Jahren angefangen. Dann bekamen die beiden so viele „Kindel“ von denen ich die kräftigsten Ende August abgenommen habe und in einen langen Balkonkasten gepflanzt habe, sie stehen jetzt im zweiten Jahr und sehen leider – wie vieles andere auch – etwas mickrig aus. Dennoch habe ich genauso viele Früchte wie 2019 geerntet, gut 800 Gramm. Nicht viel. Aber immerhin hat es für einige leckere Erdbeer-Müslis gereicht.

Nun sind alle Beeren gegessen und warte jetzt auf die Kindel (die alten Pflanzen werde ich entsorgen), die ich in frische Erde eintopfen will und hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder gesunde und vielleicht ein paar Gramm mehr Erdbeeren ernten kann.

Meine Kulturheidelbeere ist dieses Jahr ein einziges Trauerspiel. Ich habe sie nun schon etliche Jahre (ich denke sicher schon sieben oder acht Jahre) und sie wurde jedes Jahr größer und blühte und fruchtete jedes Jahr mehr. 2018 und 2019 konnte ich jeweils knapp zwei Kilo Heidelbeeren ernten. Für eine Solitärpflanze im Topf finde ich die Menge klasse.

Kulturheidelbeeren

Letztes Frühjahr habe ich sie vor der Blüte umgetopft, weil sie ziemlich durchwurzelt war, was ihr offenbar auch gut tat. Sie sah gesund aus und lieferte ja auch tüchtig Früchte. Als dieses Frühjahr die ersten Triebspitzen zu sehen waren, freute ich mich schon auf eine erneut gute Ernte. Aber daraus wurde nichts. Der Austrieb war mickrig, es gab nur ein paar einzelne Blüten (die ich an zwei Händen abzählen konnte) aus denen, die schon erwähnten drei Beeren wuchsen. Gedüngt habe ich wie letztes Jahr. Die Erde gelockert. Mäßig gegossen, gleicher Standort. Aber sie ist bis jetzt nicht in die Gänge gekommen. Zudem leidet sie jetzt auch noch an Chlorose, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Was genau das Problem oder ob es eine Kombination aus div. Faktoren ist, ich weiß es nicht. Auch mein >> Naturdünger zeigt bisher keinerlei positive Wirkung.

Vielleicht schneide ich sie im Herbst (wobei man das eigentlich nicht oder nur sehr selten machen soll) und setze sie wie die ErdbeerKindel in komplett frische, neue Erde. Mal sehen. Einfach aufgeben möchte ich sie nicht.

Da ich euch nicht mit ellenlangen Gemüsestories langweilen will, noch ein paar Erfahrungen kurz und knapp: Super im Topf sind stets alle Arten von Chili und Paprika gewachsen, Auberginen auch (da wir ja seit Jahren sehr warme Sommer haben), am besten die „Schlangen“- und Thai-Auberginen. Tomaten waren bis auf die Buschtomaten alle bestens (mein Tipp für’s Pflanzgefäß: nehmt Pflanztaschen, dort wachsen sie besonders gut und ihr könnt sicher sein, dass der Wind sie nicht umkippt.

Möhren und Kohlrabi waren ganz o.k., aber der Topf hatte wohl etwas zu wenig Tiefe. Stangenbohnen gehen super, wenn sie windgeschützt stehen. Zu viel Wind und Sonne und die Blätter verbrennen und brauchen dann lange, bis sie sich wieder erholen. Aus einem Tontopf mit ca. 38 cm Durchmesser und ca. 8-10 Bohnenkernen habe ich 2018 ca. 1,5 Kilo Bohnen geerntet. 2019 deutlich weniger, weil der gewählte Standort zu sonnig und windig war. Gerankt sind sie an extra langen Tomatenstäben. Erbsen sind uninteressant für den Kübel, zu wenig Ausbeute, fällt eher in die Kategorie Liebhaberei 😉

Fenchel geht gut, wenn man ihn zu richtigen Zeit pflanzt. Ansonsten schosst er schnell. Mangold ging auch gut. Die Gurken waren o.k., jedoch funktioniert nicht jede Sorte gleich gut. Am besten war eine Snackgurke, die ich an einem Rankgerüst wachsen ließ. Halbschattig und windgeschützt aufgestellt.

 

Johannisbeere
Rote Johannisbeere im Topf

Süßkartoffeln lassen sich auch sehr gut im Topf anbauen. Allerdings sollte das Pflanzgefäß sehr geräumig sein. Ich hatte eine Bio-Knolle wie einen Avocadokern mit drei Zahnstochern ins Wasser gehängt und gewartet bis viele kleine Triebe und Wurzeln zu sehen waren und dann das komplette „Teil“ zur Hälfte die Erde gesetzt. Sie wuchs sehr schnell und rankte munter an Tomatenstäben empor. Vor dem ersten Frost leerte ich den Topf aus und freute mich über eine recht ansehnliche Ernte. Die meisten Knollen waren zwar recht klein (zu kleiner Topf), aber es zeigt, es geht.

Last but not least: Meine Rote Johannisbeere. Sie tauchte ohne mein Zutun irgendwann im „Rosentopf“ auf. Zuerst dachte ich, es ist eine Blutjohannisbeere, aber es stellte sich nach (ich denke es waren zwei Jahre) heraus, dass es eine Rote Johannisbeere ist. Wie sie bei mir gelandet ist? Keine Ahnung. Ich habe sie gehegt und gepflegt und vor zwei Jahren konnte ich eine gute Handvoll Beeren ernten. Und letztes Jahr fing sie an zu kränkeln. Dazu kamen noch Raupen in Massen, die in kürzester Zeit fast die komplette Pflanze kahlgefressen hatten. Dieses Elend mochte ich nicht mehr sehen, gab sie auf und schnitt im Herbst bis auf eine Handbreit alles ab und wollte sie dieses Frühjahr mit der Grünschnittabholung entsorgen.

Tja und was macht das dusselige Ding? Genau. Es treibt wieder aus, mit schönen kräftigen Blättern. Also darf sie bleiben und werde sie zusammen mit den anderen Beeren im Herbst umtopfen und ihr noch mal eine Chance geben.

Und, das Leckerste zum Schluss, ein paar Ernte-Impressionen …

 

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